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Erdstall in Altenfelden entdeckt

Ausgestellt am 10. August 2012 vom

Geheimgang aus dem Mittelalter im Mühlviertel entdeckt
900 Jahre alter „Erdstall“ kam bei Baggerarbeiten in Altenfelden zum Vorschein

Ein Geheimgang aus dem Mittelalter ist in Steinerberg in der Gemeinde Altenfelden (Bez. Rohrbach) bei Aushub-Arbeiten zur Errichtung einer neuen Straße ans Tageslicht gekommen. In einer Tiefe von eineinhalb Metern schnitt ein Bagger einen Hohlraum an. Forscher vom Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich stellten fest, dass es sich um einen von Menschenhand geschaffenen unterirdischen Geheimgang aus dem Mittelalter handelt, den Archäologen als „Erdstall“ bezeichnen.

Der entdeckte Gang beginnt mit einer niedrigen kleinen Kammer, in die im südlichen Teil ein Schuttkegel eindrang. Die Fortsetzung führte über eine enge waagrechte 80 Zentimeter lange Engstelle, die nur auf dem Bauch robbend passiert werden kann. Nach dieser Engstelle erweitert sich der Gang, der sich winkelig fortsetzt und nach 4,5 m an einer Trockenmauer endet. Insgesamt ist das Gangsystem 7 Meter lang.

Wie vom Erdboden verschluckt
„Der neu entdeckte Erdstall in Steinerberg wurde vermutlich im 12. Jahrhundert angelegt, als die Gegend um Altenfelden im Mittelalter besiedelt worden ist. Er liegt nur wenige Meter vom Bauernhof Thurnbauer entfernt. Dieser Bauernhof hat im Mittelalter zur Burg Steinerberg gehört und die Burgherren mit Lebensmitteln versorgt.” erklärt Josef Weichenberger, Erdstall-Experte des Oberösterreichischen Landesarchivs. Der Zweck derartiger mittelalterlicher Bauwerke ist nicht restlos geklärt. „Erdställe wurden im Mittelalter vermutlich als Zufluchtsanlagen angelegt. Wenn Räuberbanden durchs Land zogen, konnten sich Frauen und Kinder in solchen Geheimgängen – wie vom Erdboden verschluckt – verstecken.“

Erdstall-Besitzerin Elisabeth Hartl war verblüfft, als der Baggerfahrer das Loch auf ihrem Grundstück entdeckte. „Wir wussten zwar, dass unser Bauernhof sehr alt ist und in der Geschichte immer zur Burg Steinerberg gehört hat, aber dass es unter der Erdoberfläche einen Geheimgang gibt, hat niemand geahnt.“

Baustopp im Mittelalter
In Oberösterreich sind nur noch 25 derartige unterirdische Anlagen zugänglich. Der neu entdeckte Erdstall in Steinerberg ist von besonderem Interesse für die Wissenschaft. Er ist der einzige bekannte Erdstall, der niemals fertiggestellt wurde. „Die geologischen Bedingungen sind hier alles andere als optimal für die Errichtung eines Erdstalls. Die Erbauer haben in einer sehr labilen Gesteinsschicht gearbeitet, wo verwitterter Granit und massiver Fels aufeinanderstoßen. Weil der ganze Geheimgang einsturzgefährdet war, haben die Erbauer offensichtlich vor 900 Jahren einen Baustopp verhängt,” so Weichenberger.

Honorarfrei verwendbare Pressefotos finden Sie unten.
Als Bild-Autor bitte angeben: Landesverein für Höhlenkunde in OÖ/Erhard Fritsch
Weitere Informationen finden Sie im Kurzbericht.

Rückfragehinweis:
Konsulent Josef Weichenberger
Erdstallexperte
OÖ Landesarchiv
Mob.: 0699/11 49 41 63
Tel.: 0732/77 20 – 14603
josef.weichenberger@ooe.gv.at

Erdstall-Besitzerin:
Elisabeth Hartl
Steinerberg 8
4121 Altenfelden, Bezirk Rohrbach, OÖ

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Der Erdstall fährt ein überaus labiles Bodenmaterial an, das schon bei der Errichtung des unterirdischen Ganges dem Erbauer große Schwierigkeiten bereitete. Dies lässt sich an den Ausbrüchen erkennen.

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Der bei den Baggerungsarbeiten aufgedeckte Höhlraum entpuppte sich als nicht fertig gestellter Erdstall.

Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Untersuchungen im Erdstall von Altenfelden, Steinerberg 8.

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Erdstall-Spezialist Josef Weichenberger untersucht den einsturzgefährdeten unterirdischen Gang.

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Ein typisches Bauelement der Erdställe sind die „Schlupfe“. Der Erdstall von Altenfelden weist eine enge waagrechte Schlupfröhre auf, die 80 cm lang, 50 cm breit und 45 cm hoch ist. das Passieren erfordert einige Gelenkigkeit.

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Archäologe Mag. Heinz Gruber vom Bundesdenkmalamt plagt sich durch die Schlupfröhre.

Quelle: Landesverein für Höhlenkunde in Oberösterreich, Erhard Fritsch

Welche Funktion hatten die Schlupfröhren? Unliebsame Eindringlinge konnten jedenfalls an dieser Engstelle leicht abgewehrt werden.