Entdeckung des Gleichgewichtsorgans

Entdeckung des Gleichgewichtsorgans

Gleichgewicht von 1791 bis Heute.

Auf den Spuren der Gleichgewichts-Wissenschaftler.

Seit Tausenden von Jahren laufen, gehen und stehen Menschen. Doch wie sind sie dazu der Lage? Wie es uns gelingt das Gleichgewicht zu halten, wissen wir erst seit neuester Zeit.

1907 – Skizze des Gleichgewichtsorgans.

Für die Erforschung des Gleichgewichtsorgan des Menschen bekam Robert Bárány 1914 den Nobelpreis.
Etwas bis zu diesem Zeitpunkt war die Funktion der Bogengänge im Innenohr 50 Jahre lang umstritten, denn Robert Bárány war nicht der einzige der sich mit dem Gleichgewichts-Sinn beschäftigte.

Die Grundlage für die Erforschung des Gleichgewichts-Organs schafft Friedrich Goltz im Jahre 1869 mit seiner Hypothese:

“ob die Bogengänge Gehörorgane sind, bleibt dahingestellt. Ausserdem aber bilden sie eine Vorrichtung, welche der Erhaltung des Gleichgewichtes dient. Sie sind sozusagen Sinnesorgane für das Gleichgewicht des Kopfes und mittelbar des Körpers.”

Damit war erstmals das Gleichgewichtsorgan entdeckt.

Entdecker des Gleichgewichtsorgans im Ohr

Friedrich Goltz

Goltz war mit Versuchen an Tauben zu dieser Schlussfolgerung gekommen. Er hatte bei Tauben die Bogengänge im Ohr zerstört und die Auswirkungen untersucht. Typisches Verhalten dieser Tauben ohne Bogengänge war schräge Kopfhaltung, ungeschickter Gang, Schwindel und Stürze.
Dabei stütze er sich nicht nur auf eigene Beobachtungen an Tauben sondern auch die von Flourens, der dieses unerklärliche Verhalten von Tauben als erster beobachtet und beschrieben hatte.
Auch mit Fröschen und Kaninchen machte er Versuche um den Gleichgewichtssinn besser erklären zu können.
Zu dieser Zeit wurde die Funktion der Bogengänge noch kontrovers diskutiert und die Bogen wurden für einen Teil des Gehörs gehalten.

Ernst Mach, ein berühmter Österreicher Physiker stellt 1875 in seinem Werk »Grundlinien der Lehre von den Bewegungsempfindungen« fest, dass bei dem menschlichen Gleichgewichtssinn nur Beschleunigungen empfunden werden, nicht aber tatsächliche Bewegungen.

Grundlinien der Lehre von den Bewegungsempfindungen S.24

Ernst Mach erforschte mit einem Drehsessel die Drehwahrnehmung des Menschen. Sein Drehsessel kommt den heutigen Astronautentraining an Jahrmärkten sehr nahe.
Mit einigen weiteren Experimenten untermauert er, dass der Gleichgewichtssinn im Kopf liegen muss und er unterstreicht die aussagen Goltz.

Weitere wichtige Forscher des Gleichgewichtsorgans waren zu dieser Zeit:
Crum Brown, Böttcher, Flourens, Cyon, Löwenberg, Breuer u. a.

Erste Wissenschaftliche berichte über Gleichgewichtsstörungen gehen noch etwas weiter zurück. Berichten von Schwindelgefühlen gab es einige jedoch konnten dies meist nicht erklärt werden.
Erasmus Darwin (der Großvater Charles) beschrieb dies schon in seinem Werk Zoonomia (1794-96)
Und Marcus Herz in “über den Schwindel” 1791.

Heute ist die Lage des Geichgewichts-Organs und Funktion der Bogengänge im Ohr unumstritten und die Funktionsweise wird in jedem Anatomie-Buch erklärt.

Über die Funktion des Vestribular-System, wie das Gleichgewichts-Organ gerne genannt wird erfährtst du auf dieser Einradfreak.at Seite mehr.

 

Quellen:

  • Friedrich  Goltz 1870, Ueber die physiologische Bedeutung der Bogengänge des Ohrlabyrinths
  • Ernst Mach 1875, Grundlinien der Lehre von den Bewegungsempfindungen,
  • Friedrich Matte, 1892, Ein Beitrag zur Function der Bogengänge des Labyrinths
  • Robert Bárány, 1907, Pysiologie und Pathologie (Funktions-Prüfung) des Bogengang-Apparates beim Menschen
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mach
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_B%C3%A1r%C3%A1ny
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Goltz_%28Physiologe%29
  • Menger Schweigart, Gehirn & Geist, Dossier Nr 2/2004, Gleichgewicht-Wie die Sinne Verschmelzen
  • Stephen M. Highstein,Richard R. Fay,Arthur N. Popper, 2004, The Vestibular System
  • George Mather, 2009, Foundations of Sensation and Preception