Interview mit David Weichenberger zur Salzkammerguttrophy 2014


Interview mit Einradfahrer David Weichenberger, Downhillweltmeister von 2010

 

Am Einrad am Dürrenstein mit Gipfelkreuz
David Weichenberger am Gipfel des Dürrenstein

Hallo David! Zu Beginn, wer bist du?
David: Ich bin … (zögert), ich bin ein Einradfahrer aus Leib und Seele, der die letzten 18 Jahre auf einem Rad verbracht hat. Mein ganzes Leben habe ich als ein Gleichgewichtsspiel erleben dürfen (lacht).

Der Balance-Akt bezieht sich demnach nicht nur auf das Einradfahren?
David: Balance ist im ganzen Leben wichtig. Beim Einradfahren merkt man es sehr, sehr schnell, wenn man nicht im Gleichgewicht ist. Es braucht nicht viel, um aus dem Gleichgewicht zu geraten. Eine kleine Unebenheit reicht aus, um auf die Nase zu fliegen, besonders wenn man im freien Gelände fährt.

Hat dich das Einradfahren auch in anderen Lebensbereichen bereichert?
David: Das Einrad hat viele neue Sachen in mein Leben gebracht. Ich lernte eine riesengroße Gemeinschaft kennen. Die Einradfahrer halten stark zusammen. So fand ich einen weltweiten Kreis an tollen Freunden. Es ist schön, überall Leute zu treffen, die das gleiche Ziel verfolgen. Etwas zu machen, das unmöglich erscheint und gerade deshalb darauf zugehen. Diese Philosophie forderte mich heraus und bereicherte mich. Und die Gemeinschaft stärkte mich. Das macht mir viel Freude.

Geht es gar nicht um Konkurrenz und das Gewinnen im Einradfahren, sondern um die Sache selbst und die „Community“?
David: Ja, das stimmt. Ich finde es einfach schön, zusammen zu fahren. Wenn man anderen zuschaut, wie sie Schwierigkeiten meistern, bei denen man selbst gerade hängt. Man gibt sich in dieser Gemeinschaft Tipps, unterstützt sich und versucht füreinander da zu sein, selbst wenn ein Wettkampf ist. Auch jetzt bei der Salzkammerguttrophy. Letztes Jahr beim Marathon habe ich mir kurz vor dem Start noch von einem anderen Teilnehmer ein Einrad ausgeborgt. Ohne sein Rad wäre ich viel langsamer gewesen. So konnte ich eine super Platzierung rausholen.

Wie ist es dieses Jahr bei der Salzkammerguttrophy? Wie sind die Mitbewerber aufgestellt? Kennst du die Fahrer?
David: Es kommen viele Leute aus Österreich. Es sind aber auch immer neue Gesichter dabei, was mich sehr freut. Man sieht, da ist neues Blut in der Szene, die neue Ideen reinbringen. Aber viele sind seit Jahren dabei und fahren ein  hohes Niveau. Der Tscheche Jakub zum Beispiel, Weltmeister von 2012. Letztes Jahr wurde er zweiter hinter mir (lacht). Das ist immer ein hartes Rennen zwischen uns. Der Ziga kommt wahrscheinlich auch aus Slovenien. Er fährt mit Gangschaltung und ist pfeilschnell. Wenn die Strecke technisch nicht so anspruchsvoll ist, gibt er voll Gas. Da kommt keiner so schnell hinten nach. Auch aus Deutschland kommen einige Leute, die gut drauf sind. Es wird also wieder sehr bunt und international. Ich freue mich auf alle die kommen und das Wiedersehen. Es ist immer schön, zusammen zu fahren und auf dem Berg zu sein.

Was ist dein ganz persönliches Ziel bei der Salzkammerguttrophy 2014?
David: Ich freue mich am meisten auf die Leute die vorbei kommen und mit diesen zu fahren. Wo ich kann, möchte ich auch Inspiration sein. Ich will zeigen was auf so einem Berg alles möglich ist und ausloten, wer diesmal den besten Tag und das beste Gleichgewicht hat. Mein Ziel ist auch, mit einem breiten Grinsen im Ziel anzukommen, die Strecke zu genießen und durch die Landschaft zu „rumpeln“. Wird sicher wieder sehr spaßig.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt es. Was sind deine nächsten Pläne nach der Salzkammerguttrophy?
David: Nach der Trophy geht’s nach Montreal in Kanada. Dort findet die Einradweltmeisterschaft Unicon 2014 statt. Da habe ich mir vorgenommen unter die Top drei zu fahren.

Wer veranstaltet die Einradweltmeisterschaft in Montreal?
David: Veranstaltet wird’s von der IUF (Anm.: International Unicycle Federation). In Kanada gibt es ein paar sehr motivierte, junge Einradfahrer, die einen schönen „Spirit“ haben. Für diese muss die Weltmeisterschaft ökologisch vertretbar sein. Sie bringen einen ausgeprägten Fairtrade-Gedanken ein.

Die Bewerbe müssen organisiert, die Logistik für die Fahrerinnen und Fahrer bereitgestellt werden. Wie wird die Einradweltmeisterschaft finanziert?
David: Im Einradsport gibt es noch nicht so viel Geld wie in anderen großen Sportarten. Ich sehe darin auch einen Vorteil, weil es den Sport viel herzlicher macht. Es geht nicht darum, große Preisgelder abzuräumen, sondern um das Gemeinsame. Vor allem das Entdecken der gemeinsamen „Limits“ und das „Vorwärtspushen“ unserer Möglichkeiten.

Außer dem Einrad-Downhill, welche Bewerbe fährst du noch bei der Weltmeisterschaft?
David: In Montreal bei der WM gibt es 33 Disziplinen. Ich fahre auf jeden Fall alle Berg–Bewerbe mit, schlichtweg weil es schöne Tage dort oben sind. Aber ich habe mich auch für Langstrecken- und Sprungbewerbe angemeldet. Da geht’s mir dann hauptsächlich um den „Fun“. Bevor ichs vergesse, beim „Trial“ bin ich auch dabei. Also eine breite Palette, an der ich teilnehme.

Wie genau schaut „Trial“ beim Einradfahren aus?
David: Trial ist eine Disziplin, bei der man über verschiedene Hindernisse springt. Das gibt es auch beim Mountainbiken und Motorrad. Es geht darum ein Hindernis zu überwinden, ohne den Boden zu berühren. Das kann ein Stein, ein Haufen Paletten oder eine Sitzbank sein.

Hast du Vorbilder im Einradfahren? Und mit dieser Frage versehen, wenn du Vorbilder hast, fahren diese noch Bewerbe? Wie alt muss man sein, um Einradbewerbe mitfahren zu können?
David: Der Einradsport ist altersmäßig sehr breit aufgestellt. Es geht ganz jung los, bis ins hohe Alter. Der älteste Einradfahrer zum Beispiel, dem ich das Fahren beigebracht habe, war 82 Jahre alt. Er hats gelernt und fährt jetzt super durch die Gegend. Vorbilder (überlegt). Es ist spannend. Es gibt da den Kris Holm, der den Sport publik machte. Der hat mich total inspiriert, da er für den starken Zusammenhalt im Einradfahren und für mich persönlich für „das Unmögliche möglich machen“ steht. Der hat viel Power. Er war auch einer der Ersten die im Gelände gefahren sind. Damals gab es aber noch nicht das richtige Material, er hat reihenweise die Räder geschrottet. Ich sehe aber alle Einradfahrer als Vorbilder. Man kann von jedem etwas lernen, da auch jeder seinen ganz persönlichen Stil hat. So versuche ich von allen ein Stückchen mit auf den Berg zu nehmen.

Wenn du einen Wunsch für die Gemeinschaft der Einradfahrer frei hättest, wie würde dieser lauten?
David: (Überlegt lange) Ich glaube die Freude daran, das Unmögliche zu probieren, dran zu bleiben und dieses Gefühl mit anderen zu teilen, empfinde ich als etwas sehr schönes. Ich würde mir daher wünschen, dass die Einradfahrer dieses wunderbare Gefühl mit anderen teilen, ob sie nun Einrad fahren oder nicht.

Ich möchte mich für dieses herzliche Interview bei dir bedanken David. Viel Spaß bei der Salzkammerguttrophy und viel Erfolg bei der WM in Montreal.
Auch ich möchte mich herzlich bedanken.

 

Interviewer  Thorsten G. Strohmaier

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